Montag, Dezember 11, 2017
Ruhrfolk

Fred Ape – Flaschenpost

FlaschenpostEr hat sich lange Zeit gelassen mit einer weiteren Solo CD. Herausgekommen ist eine Produktion mit gewohnt nachdenklichen, fast schon philosophischen Songs, nahezu unplugged aufgenommen. Kleine Alltagshymnen eben – und dahinter steckt die geballte Bühnenerfahrung von über vier Jahrzehnten bei weit über 3000 Auftritten und mittlerweile 22 veröffentlichten Tonträgern. Fred Ape hat seinen Schwung und seine Haltung nie verloren und blickt samt Schalk im Nacken nach vorn, aber auch mittlerweile milde zurück!

Mit dem Titelsong beschreibt er das – uns allen bekannte – Unbehagen in dieser Zeit, fast hilflos zusehen zu müssen, wie humanistische und demokratische Ideale „den Bach runter gehen.“ In diesem Fall als Flaschenpost in den Rhein geworfen, versehen mit einem Text, der hoffentlich in hundert Jahren gelesen – und auch noch verstanden wird.

In seinen neuen Liedern begegnet Fred Ape zum ersten Mal seiner Heimatstadt Dortmund mit einem schelmisch- und manchmal liebevollen Blick („Hör zu, Bayer“) und möchte in „Ich will meine Stadt nicht braun“ am liebsten alles was Neonazis, Ausländerfeindlichkeit und Dummheit ausmacht, zum Teufel singen. Sogar den BVB nimmt er liebevoll in sein Repertoire auf („Wasser im Keller“) bleibt aber seiner Einsicht treu, dass man bestimmte Dinge, die man nicht ändern kann, wie den Tod, nur mit einer gehörigen Portion philosophischer Gelassenheit begegnen kann („So wie es ist“). Mit dem Lied „Die Spende“ setzt er rührende Menschlichkeit in Szene, in dem er die Rettung der leukämiekranken achtjährigen Nathalie durch die Rückenmarksspende eines dunkelhäutigen Pakistani, als ein Lehrstück über Toleranz zelebriert.

Vergleiche mit Hannes Wader, Reinhard Mey usw. kennt Fred Ape. Die sind auch nicht total falsch, aber eben auch nicht wirklich richtig. Weil er ein eigenes, klares Profil hat. Und wenn schon in Schubladen gedacht wird, dann bitte so: Fred Ape ist Liedermacher mit Herz, Hirn und Humor.

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